Leitbild der Evangelischen TelefonSeelsorge München
Die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Evangelischen TelefonSeelsorge München arbeiten auf der Grundlage eines christlich-humanistischen Menschenbildes. Es leitet zur Achtung der Menschenwürde, zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte und zur Wertschätzung eines jeden Menschen in seiner Eigenart ohne Ausgrenzung an. Die TelefonSeelsorge vertritt dieses Menschenbild in einer konfessionsoffenen Weise.
Vor diesem Hintergrund versteht sich die TelefonSeelsorge als Kirche mitten im Leben". Sie erfüllt einen Kernauftrag kirchlicher Seelsorge. In einem Klima der sozialen Kälte, der Interesselosigkeit und der mangelnden Verantwortung für gesellschaftliche Belange wird verstärkt nach dem Sinn des Lebens und nach Orientierung gefragt. Die TelefonSeelsorge sieht ihren Auftrag darin, Menschen in den verschiedensten Not- und Konfliktsituationen kompetente, differenzierte und ergebnisoffene Begleitung sowie Ermutigung bei der Gestaltung und Bewältigung ihres Lebens und ihres gesellschaftlichen Umfeldes anzubieten. Gemeinsam mit diesen Menschen sucht die TelefonSeelsorge nach Wegen aus der jeweiligen Problemlage, gibt Impulse zur Selbsthilfe und versucht, den Blick für neue Lebensperspektiven zu öffnen. Das freiwillige Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellt so einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl dar.
Diese Begleitung, Beratung und Seelsorge bietet die Evangelische TelefonSeelsorge München rund um die Uhr unter einer in ganz Deutschland einheitlichen Rufnummer an. Dabei wahrt sie die Anonymität der Anrufenden und der ehrenamtlich Mitarbeitenden. Die Gespräche am Telefon schaffen den Raum, zu den Anrufenden eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, sie in ihrer oft schmerzlich empfundenen Vereinsamung zu trösten oder ihnen einfach zuzuhören. In akuten Krisensituationen bieten die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TelefonSeelsorge darüber hinaus auf Wunsch auch persönliche Beratungsgespräche (grundsätzlich ohne längere Wartezeiten) an. Wichtige Kennzeichen der TelefonSeelsorge sind somit hohe Verfügbarkeit und Anonymität.
Das Team der Hauptamtlichen trägt die Verantwortung für die regelmäßige Arbeit am Telefon und alle damit zusammenhängenden Abläufe. Es trifft seine Entscheidungen in partnerschaftlicher Zusammenarbeit. Gemeinsam mit gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Ehrenamtlichen erarbeiten die Hauptamtlichen fachliche und organisatorische Konzepte, Vereinbarungen und Regelungen in demokratischen Gremien. In diesen Gremien nehmen die Ehrenamtlichen ihr Recht auf Mitbestimmung und Mitgestaltung wahr.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus den unterschiedlichsten Lebensbezügen, Alters- und Berufsgruppen. Sie werden nach bestimmten Kriterien wie Belastbarkeit, Einfühlungsvermögen, Selbstwahrnehmung, Flexibilität, Teamfähigkeit und Offenheit in religiösen und weltanschaulichen Fragen ausgewählt. Sie werden für ihre Arbeit am Telefon professionell aus- und fortgebildet, so daß sie ihre Aufgaben eigenverantwortlich erfüllen können. Dazu gehört die ständige Reflexion der eigenen Persönlichkeitsentwicklung, um den Anrufenden mit Verständnis und Menschlichkeit begegnen zu können. Um die fachliche Qualität der Beratung zu erhalten, bieten die Hauptamtlichen zusätzlich Supervision, Begleitung und Beratung an. Sehr wichtig für die gesamte Arbeit der TelefonSeelsorge ist eine gute und vertrauensvolle Beziehung zwischen den hauptamtlichen und den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TelefonSeelsorge treffen sich regelmäßig in Gruppen, in denen sie miteinander die Arbeit am Telefon reflektieren. Dies geschieht in verläßlichen und tragenden Arbeitsbeziehungen mit gegenseitiger Wertschätzung und Achtung. Die Gruppen organisieren gemeinsame Fortbildungen, alle Mitglieder nehmen am Gruppenprozeß und Erfahrungsaustausch teil.
Für die gesamte Arbeit der TelefonSeelsorge bildet das Sekretariat ein wichtiges Zentrum. Es ist die erste Anlaufstelle für Ehrenamtliche und Klienten, in der Informationen gebündelt und weitergegeben werden.
Die Evangelische TelefonSeelsorge München ist Mitglied in der Evangelischen Konferenz für TelefonSeelsorge und Offene Türen in Deutschland e.V., die mit der katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft Beratung gemeinsam die Evangelisch-katholische Kommission als leitendes Fachgremium bildet und ist international angeschlossen an die International Federation of Telephonic Emergency Services (IFOTES). Darüber hinaus bestehen fachliche und organisatorische Kooperationen mit der Regionalkonferenz der Telefonseelsorgestellen in Bayern und psychosozialen Krisendiensten in München. Sie partizipiert an der Mitgliedschaft des Evangelischen Beratungszentrums im Diakonischen Werk Bayern und ist der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zugeordnet.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören einem regionalen Forum (Bayern-Forum) und der Bundesvertretung der Ehrenamtlichen in der TelefonSeelsorge Deutschland (BETS) an.
München, Mai 2000
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